Lärm und laute Musik sind die Hauptstreitpunkte am Gartenzaun

Es gibt Situationen, von denen könnte wohl fast jeder Großstadtmieter ein Lied singen, die meisten sogar mehrere. Zum Beispiel diese hier: Sonntagabend, entspannte Nach-dem-“Tatort“-Zeit, vor dem Schlafen werden noch schnell einige Seiten in dem neuen Roman gelesen. Die Geräusche von nebenan, wahlweise auch von oben oder von unten, verraten, dass die Nachbarn derweil gerade etwas anderes machen.

Entweder, sie haben lautstarken Sex, so dass alle im Haus unfreiwillige Zeugen von den liebhaberischen Qualitäten des Paares werden (kürzlich gehört in Berlin, Stadtteil Treptow). Oder sie streiten sich, zum Beispiel darüber, dass der Sohn sich endlich eine Stelle suchen und ausziehen sollte (kürzlich gehört in Köln, Stadtteil Kalk). Oder darüber, dass die Schwiegereltern zu Besuch kommen wollen und gleich eine Woche bleiben wollen (kürzlich gehört in Hamburg, Stadtteil Bramfeld).

Einer aktuellen Umfrage zufolge ist Lärm bundesweit das häufigste Streitthema unter Nachbarn. Wenn der Streit entbrennt, geht es in zwei von drei Fällen um unerwünschte Geräusche aus den benachbarten Wohnungen. An zweiter Stelle folgen Ärgernisse darüber, dass die Nachbarpflichten wie regelmäßiges Putzen des Treppenhauses nicht ordentlich eingehalten werden, dass der Rasen nicht regelmäßig vorbildlich geschnitten wird oder im Winter nicht immer der Schnee rechtzeitig weggeschippt wird.

Wut entbrennt auch, weil Haustiere der Nachbarn unangenehm riechen oder sich mit Schmutz im Treppenhaus und Lärm bemerkbar machen oder weil Nachbarn nicht grüßen und unfreundlich sind.
Gartenzwerge sind in Hamburg großes Streitthema

Weitere Erkenntnisse der Studie, für die im Auftrag der Gothaer Versicherungen das Marktforschungsinstitut Gfk mehr als 1000 Menschen befragt hat: Unter Großstadtbewohnern entfachen Nachbarschaftsstreitereien besonders häufig. Zudem scheinen in Hamburg die meisten Streithähne zu wohnen: In der Hansestadt hat schon jeder Zweite unliebsame Bekanntschaft mit seinen Nachbarn gemacht. Deutschlandweit ist es jeder Dritte.

Die Hamburger tun sich auch hervor, wenn es um die Gründe der Streitereien geht. Bundesweit sind Dekorationen wie Fußmatten und Gartenzwerge kein besonders häufiges Streitthema: Gerade einmal 5,7 Prozent gaben an, sich darüber schon geärgert zu haben. In Hamburg sagten dagegen 20 Prozent der Befragten, dass dieses Thema schon zu Auseinandersetzungen geführt habe.
Typischer Streit-Nachbar verdient 2000 bis 2500 Euro

Der typische streitlustige Nachbar verdient laut Untersuchung zwischen 2000 und 2500 Euro netto, ist selbstständig und besitzt einen Haupt- oder Volksschulabschluss. Mit großer Wahrscheinlichkeit kommt er aus Hamburg, mit geringer Wahrscheinlichkeit aus Bayern.

Die Studie ist nicht die erste, die nachbarschaftlichen Verhältnisse in deutschen Mietwohnungen zu ergründen versucht. Im Frühjahr kam die jährlich erscheinende Untersuchung „Wohnen und Leben“ heraus, für die das Portal immowelt.de rund 1000 Mieter und Hauseigentümer befragt hat. Hier führten nervige Haustiere die Liste an, dicht gefolgt von Rauch, der auch schnell in die eigenen vier Wände ziehen kann und so Ärger erzeugt.

Eine weitere Erkenntnis: Je jünger die Befragten, desto häufiger ärgerten sie sich über ihre Nachbarn. 63 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gaben an, von ihren Nachbarn genervt zu sein. Bei den über 30-Jährigen waren es nur noch 40 Prozent.
Nachbarn errichten Mauer

Die regionalen Eigenheiten der nachbarlichen Streithähne, die sich in der Gfk-Untersuchung abzeichnet, hat die immowelt-Studie auch erfasst: Je weiter ein Befragter im Norden wohnt, desto häufiger gab er an, schon einmal Ärger mit Nachbarn gehabt zu haben. In Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ergaben sich somit 57 Prozent genervte Nachbarn, während es in Bayern und Baden-Württemberg gerade einmal 43 Prozent sind.

Übrigens: Nicht nur in Deutschland entbrennen zwischen Hochhaus-Wänden und über Gartenzäune hinweg immer wieder kleine Kämpfe. In dem kleinen südfranzösischem Örtchen Brugairolles ist vor Kurzem ein Nachbarschaftsstreit zwischen zwei britischen Rentnerpaaren derartig eskaliert, dass eine Partei sogar zu Mörtel und Mauersteinen griff und auf dem verhassten Nachbargrundstück nicht nur Fenster und Türen mit Brettern verbarrikadierte, sondern sogar eine Mauer errichtete, während die Hauseigentümer gerade einkaufen waren.

Zuvor hatten die Rentner schon seit Monaten miteinander im Clinch gelegen. Die Maurer behaupteten, ihre Nachbarn wollten sich ein fremdes Grundstück aneignen. Zudem sei schon mehrfach versucht worden, sie zu vergiften. Andere Dorfbewohner waren schließlich zu Hilfe geeilt, um die eilig hochgezogene Mauer gemeinsam wieder einzureißen und den Streit zu deeskalieren – vorerst zumindest.

Quelle: https://goo.gl/LC3b9A

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4 Comments

  1. Karl

    Das kann ich verstehen. Meine Nachbarn sind auch oft so laut!

  2. Tim

    Nachts nervt nachbarlicher Krach wirklich. Aber man kann ja über fast alles reden!

  3. Sarah

    Bei lauten Kindern kann man nun wirklich nicht meckern aber laute Musik kann schon ziemlich anstrengend sein wenn man seine Ruhe haben möchte

  4. Elke

    Lärm kann wirklich nerven. Deshalb haben wir beim unserem Haus auf eine gute Schallisolierung geachtet.

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